In Bangkok, genauer gesagt in Soi Ramkhamhaeng 51/3, wurde am Montagnachmittag ein 19-jähriger Teenager kontrolliert, der mit einer beträchtlichen Summe Bargeld und mehreren fremden Geldautomatenkarten aufgegriffen wurde. Der junge Mann, der sich als Patchara aus Chiang Rai identifizierte, hatte es geschafft, sagenhafte 607.000 Baht (das sind umgerechnet etwa 16.000 Euro) abzuheben. Die Huamark Police wurde auf ihn aufmerksam, weil er mit einem roten Integralhelm am Geldautomaten der Krungsri Ayutthaya Bank mehrfach Bargeld abhob. Das ganze Geschehen fand etwa um 15:30 Uhr statt.

Bei der Durchsuchung des Teenagers entdeckten die Beamten nicht nur 107.000 Baht in seinen Hosentaschen, sondern auch vier Geldautomatenkarten, die auf unterschiedliche thailändische Namen registriert waren. Ein iPhone 13 und weitere 500.000 Baht, die unter dem Sitz seines Motorrads (einem Honda Scoopy-i) versteckt waren, wurden ebenfalls sichergestellt. Patchara gab an, dass ihm ein unbekannter chinesischer Mann die Karten übergeben hatte. Diese Person soll ihm auch für jede Abhebung 1.000 Baht gezahlt haben. Die Polizei vermutet, dass es sich um einen Callcenter-Betrug handelt, bei dem Patchara unwissentlich als Handlanger fungierte.

Ermittlungen und mögliche Opfer

Die Polizei hat bisher noch keine Anklage gegen Patchara erhoben, plant jedoch, die Besitzer der Geldautomatenkarten zu kontaktieren und zu befragen. Zudem wird eine Fahndung nach dem unbekannten chinesischen Staatsbürger, der die Abhebungen organisiert haben soll, eingeleitet. Die Behörden rufen mögliche Opfer auf, sich zu melden und ihre Erfahrungen zu teilen. Bisher wurden keine Haftbefehle gegen die Karteninhaber erlassen, da noch keine Anzeige erstattet wurde. Alle sichergestellten Beweise, einschließlich Bargeld, Karten, iPhone und Motorrad, bleiben unter polizeilicher Kontrolle.

Callcenter-Betrug ist kein Einzelfall. In Europa beispielsweise ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden zusammen mit dem Cybercrime Competence Center des Landeskriminalamts Sachsen gegen ein Netzwerk von Call Centern. Hier stehen über 170 Beschuldigte im Verdacht, gewerbs- und bandenmäßig Betrug sowie Geldwäsche in mehr als 30.000 Fällen begangen zu haben. Der geschätzte Vermögensschaden beläuft sich auf mindestens acht Millionen Euro. In einer groß angelegten Aktion wurden kürzlich mehr als 35 Wohn- und Geschäftsräume in Deutschland und anderen europäischen Ländern durchsucht. Das Vorgehen der Täter ist vielfältig: von Anrufen als falsche Bankmitarbeiter bis hin zu gefälschten Inkassoschreiben und manipulierten Gerichtsbeschlüssen.

Die Ermittlungen gegen diese kriminellen Strukturen sind komplex und langwierig, wobei die Täter oft besonders auf ältere Menschen abzielen, um sie um ihre Ersparnisse zu bringen. Die Kooperationspartner, darunter Eurojust und Europol, unterstützen diese Ermittlungen, um die ausgedehnten Netzwerke effektiv zu zerschlagen. Es zeigt sich, dass solche Betrugsfälle nicht nur in Thailand, sondern auch in Europa ein großes Problem darstellen, das viele Menschen betrifft und deren Lebensqualität einschränkt.

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