Am 26. Mai 1991, einem schicksalhaften Tag, stürzte die Boeing 767-300ER mit der Kennung OE-LAV, liebevoll „Mozart“ genannt, 15 Minuten nach dem Start in Bangkok ab. Das Unglück forderte 223 Menschenleben – 213 Passagiere, 2 Piloten und 8 Flugbegleiter. Tragisch ist die Tatsache, dass 27 der 223 Toten nicht identifiziert werden konnten, darunter die 26-jährige Flugbegleiterin Christine Quehenberger, die das einzige Crewmitglied war, dessen Identität nie geklärt werden konnte. Für die unidentifizierten Opfer wurde der Lauda Air Friedhof in Suphan Buri angelegt, wo auch Christine beerdigt wurde. Vor ihrer Zeit bei Lauda Air arbeitete sie für Tyrolean Airways und flog erst seit etwas über einem Jahr für die Airline. Nach ihrem Tod fand in Innsbruck eine Totenmesse für sie statt.
Die Ursache des Absturzes war ein schwerwiegender Konstruktionsfehler: Die linke Schubumkehr öffnete sich während des Steigflugs unkontrolliert. Dies führte zu einem plötzlichen Schubverlust, der die Maschine zum Absturz brachte. Ironischerweise hätte die Maschine seit Ende Januar 1991 nicht mehr fliegen dürfen, da Techniker wiederholt Fehlermeldungen über die Schubumkehr nicht behoben hatten. Der Kapitän, Thomas John Welch, 48 Jahre alt, und sein Co-Pilot, Josef Thurner, 41 Jahre alt, mit insgesamt über 18.000 Flugstunden Erfahrung, konnten nicht rechtzeitig reagieren. Die Maschine stürzte um 23:07 Uhr Ortszeit in die Nähe von Phu Toey, etwa 5,6 Kilometer vom Abflugort entfernt, ab.
Unfalluntersuchungen und ihre Folgen
Die Untersuchung des Unfalls ergab, dass die Schubumkehr bei Mach 0,78 aktiviert wurde, was zu einem sofortigen Strömungsabriss führte. Wartungsprobleme waren ein zentrales Thema: Die FAA erließ nach dem Unfall eine Anordnung, die die Nutzung der Schubumkehr an Boeing 767 vorübergehend verbot. Nach dem Unglück wurden umfassende Änderungen am Schubumkehrsystem vorgenommen, darunter der Austausch des hydraulischen Absperrventils und Verbesserungen der Verkabelung. Die Umrüstung aller betroffenen Flugzeuge wurde im Februar 1992 abgeschlossen.
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) spielt eine zentrale Rolle in der Aufklärung von Flugunfällen in Deutschland. Sie veröffentlicht regelmäßig Berichte über Unfälle und Störungen, die dazu dienen, zukünftige Vorfälle zu vermeiden. Diese Berichte sind für die Öffentlichkeit zugänglich und können online abgerufen werden. Die BFU hat alle seit dem 1. September 1998 veröffentlichten Untersuchungsberichte kostenlos im Internet bereitgestellt und bietet auch einen Newsletter über neue Veröffentlichungen an. So bleibt die Öffentlichkeit informiert und kann aus vergangenen Fehlern lernen – eine wichtige Aufgabe, die auch im Kontext des Lauda Air Absturzes von Bedeutung ist.
Ein bleibendes Erbe
Der Zustand des Lauda Air Friedhofs hat sich seit 2020 verschlechtert, nachdem die AUA, die als Gesamtrechtsnachfolgerin von Lauda Air fungiert, die Zahlungen für den Erhalt eingestellt hat. Angehörige der Opfer, darunter Manfred Quehenberger, der Bruder von Christine, äußerten ihren Unmut über die Situation. Besonders schmerzlich ist die Mitteilung der AUA, dass es keine kostenlosen Tickets nach Bangkok mehr für die Angehörigen gibt – und das, obwohl der 35. Jahrestag des Unglücks bevorsteht. Diese Entscheidung hat die Emotionen der Hinterbliebenen zusätzlich angeheizt. Es ist eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, die Opfer und deren Familien nicht zu vergessen und ihnen die nötige Unterstützung zukommen zu lassen.
Die Gedenkstätte in Suphan Buri, die zahlreiche unidentifizierte Opfer beherbergt, steht symbolisch für die Trauer und das Leid, das der Lauda Air Flug 004 hinterlassen hat. Solche Tragödien werfen nicht nur Fragen zu Sicherheitsstandards in der Luftfahrt auf, sondern auch zu den moralischen Verpflichtungen von Airlines gegenüber den Hinterbliebenen. Die Schatten der Vergangenheit sind lang, und die Erinnerung an den Absturz bleibt lebendig, nicht nur in den Herzen der Angehörigen, sondern auch in der Geschichte der Luftfahrt.