Heute ist der 12.06.2026 und die Welt steht vor einer Herausforderung, die oft als „stiller Killer“ bezeichnet wird: der Verlust der Biodiversität. Dr. Thanit Changthaworn, der Direktor des Büros für Bioökonomie-Entwicklung (BEDO) in Thailand, hat kürzlich die alarmierende Situation in seinem Land beschrieben. Thailand, einst auf Platz sechs der globalen Biodiversitätsrankings, ist auf Platz 22 gefallen. Das ist schon ein herber Rückschlag, oder?

Der Artenschwund ist in Thailand besonders dramatisch. Laut Dr. Changthaworn liegt die derzeitige Aussterberate der Arten 100 Mal über dem wissenschaftlich akzeptablen Niveau. Zudem konsumiert die Menschheit Ressourcen in einem Tempo, das 1,5 Mal höher ist als die jährliche Produktionskapazität der Erde. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Nahrungsmittelversorgung: In einigen Gegenden ist die Bestäubungsrate um 30 bis 50 % gesunken. Wenn wir so weitermachen, könnte uns eine sechste Massenaussterben drohen.

Ursachen des Artensterbens

Die Ursachen sind vielfältig und komplex. Dr. Changthaworn nennt fünf Hauptfaktoren: Die Nutzung von Land und Meer, besonders durch Monokultur, die Übernutzung von Ressourcen wie Fischerei und Holzernte, der Klimawandel, Umweltverschmutzung – insbesondere durch Mikroplastik – und invasive Arten, die von Menschen eingeführt wurden. Diese Faktoren tragen nicht nur in Thailand zum Artensterben bei, sondern sind auch global zu beobachten.

Mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten weltweit gelten mittlerweile als bedroht. Um das zu verdeutlichen: In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Ökosysteme in einem schlechten Zustand. Bestände von Vögeln, wie etwa der Kiebitz, sind um über 90 % zurückgegangen. Das alles zeigt, dass der Mensch als Hauptverursacher des Biodiversitätsverlusts nicht ignoriert werden kann.

Die Rolle der Wissenschaft und mögliche Lösungen

Ein besorgniserregender Trend ist der Rückgang der Grundlagenforschung zur Biodiversität, oft aufgrund der Wahrnehmung, dass der wirtschaftliche Ertrag fehlt. Es braucht jedoch dringend neue Ansätze, um die Biodiversität zu schützen. Dr. Changthaworn empfiehlt, die Entwicklung zu überdenken und die Wurzeln des Problems anzugehen. Dazu gehört, die Auswirkungen auf die Natur zu vermeiden, Schäden zu minimieren und integrierte Landwirtschaft zu fördern. Eine spannende Idee ist das Konzept der „Nature Positive“, das darauf abzielt, bis 2050 die Biodiversität zu restaurieren.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

BEDO hat in den letzten zwei Jahrzehnten mit über 200 Gemeinden zusammengearbeitet, um lokale Ressourcen zu nutzen und biodiversitätsfreundliche Praktiken zu fördern. Ein Erfolg war die Wiederbelebung lokaler Zitrus- und Chili-Sorten durch die Einbindung der Gemeinschaft. Diese Ansätze könnten auch als Vorbild für andere Länder dienen.

Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung

Die Organisation arbeitet zudem an einem Mechanismus für Biodiversitätskredite, um den Anstieg der Biodiversität messbar zu machen und Anreize zu schaffen. Sie nutzt auch das wachsende Interesse an ESG (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in der Wirtschaft, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre Auswirkungen auf die Natur zu verstehen und Aktionspläne zu entwickeln. Es wird ein großer Wert auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften gelegt, anstatt auf traditionelle CSR-Methoden.

Um das Artensterben aufzuhalten, gibt es einige zentrale Maßnahmen, die ergriffen werden sollten. Schutzgebiete sind essenziell, ebenso wie nachhaltige Land- und Forstwirtschaft und ein Umdenken im Konsumverhalten. Jeder Einzelne kann auch seinen Teil dazu beitragen, etwa durch verwilderte Gärten oder einen reduzierten Fleischkonsum. Das könnte Flächen für eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft freimachen!

Die Auswirkungen des Verlusts der Biodiversität sind nicht zu unterschätzen. Sie beeinträchtigen die Fruchtbarkeit der Böden, die Bestäubung von Pflanzen und die Regeneration von Ökosystemen. Zudem kann eine hohe Artenvielfalt die Ausbreitung von Krankheiten in Ökosystemen verringern. Wenn wir nichts unternehmen, könnte das nicht nur für die Natur katastrophale Folgen haben, sondern auch für unser eigenes Überleben.