Am Flughafen von Bangkok wurde ein erschreckender Schmuggelversuch aufgedeckt, der die alarmierende Situation im internationalen Artenschutz eindrücklich verdeutlicht. Eine 19-Jährige aus Taiwan wurde von Sicherheitsbeamten festgenommen, nachdem sie versucht hatte, Dutzende lebende Schildkröten mit Klebeband an ihrem Körper zu fixieren. Die Frau wollte von Thailand nach Taiwan zurückreisen, als sie durch ihr auffälliges Verhalten in Verdacht geriet. Bei einer Untersuchung fanden die Beamten 30 Indische Sternschildkröten (Geochelone elegans) in Stoffbeuteln an ihrem Körper, wobei eine der Schildkröten bereits tot war. Diese Art ist als gefährdet eingestuft und im internationalen Artenschutzabkommen CITES gelistet, was den Handel mit diesen Tieren verbietet, aber dennoch sehr lukrativ ist. Die Frau wird nun wegen Verstößen gegen das Artenschutzgesetz ermittelt.
Die Indische Sternschildkröte ist besonders aufgrund ihrer auffälligen Panzerzeichnung im Haustierhandel begehrt, was zu Wilderei führt. Aber nicht nur in Thailand ist die Situation kritisch. Laut einem Bericht über den illegalen Schildkrötenhandel in Kanada sind zwei Drittel der Schildkrötenarten vom Aussterben bedroht. Hauptursachen sind Lebensraumverlust, Übernutzung und illegale Jagd. Auch hierzulande sind Schildkröten durch menschliche Aktivitäten wie Verkehr und Bauprojekte gefährdet. Der Living Planet Report des WWF weist darauf hin, dass die Wirbeltierpopulationen in den letzten 50 Jahren um 58 % gesunken sind, was alarmierende Ausmaße annimmt.
Die Herausforderungen für Schildkrötenpopulationen
Der illegale Handel mit Schildkröten wird mit dem Waffen- und Drogenhandel verglichen und ist gut vernetzt. Jungtiere werden oft online für Hunderte von Dollar verkauft, während adulte Tiere häufig wild gefangen werden. Diese Praxis gefährdet die Population, da die Entnahme von reproduktiven Erwachsenen aus der Wildnis erhebliche Folgen für das Fortpflanzungspotential hat. Schildkröten können zwar jahrzehntelang leben, aber die Fortpflanzung hängt von der Anzahl überlebender Weibchen ab. In Ontario beispielsweise verschwand in den 1990er Jahren eine Waldschildkrötenpopulation, möglicherweise aufgrund von Wilderei.
Um dem illegalen Handel entgegenzuwirken, halten Wissenschaftler Standortinformationen geheim, um Wilderern zuvorzukommen. Ein Beispiel für die Dringlichkeit dieser Maßnahmen ist ein zuvor verurteilter Wilderer, der an einer wissenschaftlichen Konferenz teilnahm, was die Notwendigkeit der Geheimhaltung unterstreicht. Auch in Europa sind viele Landschildkröten gefährdet. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das seit 1976 den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten international regelt, sind alle europäischen Landschildkröten im Anhang II gelistet.
Artenschutzmaßnahmen und ihre Bedeutung
In Europa gilt die Artenschutzverordnung EG Nr. 338/97, die den Handel mit geschützten Arten regelt. Halter geschützter Arten sind verpflichtet, Zu- und Abgänge unverzüglich schriftlich der zuständigen Behörde zu melden. Arten im Anhang A dürfen nur mit speziellen Bescheinigungen abgegeben oder aufgenommen werden. Diese strengen Regelungen sind notwendig, da viele adulte Landschildkröten nicht ordnungsgemäß angemeldet sind, was zu Strafen führen kann. Um sicherzustellen, dass der Handel mit Schildkröten gesetzeskonform ist, sollten Käufer auf die entsprechenden Bescheinigungen und eine ordnungsgemäße Fotodokumentation achten.
Die Herausforderungen im Artenschutz sind vielfältig und erfordern sowohl internationale Zusammenarbeit als auch lokale Maßnahmen. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen können wir die Zukunft der Schildkröten und anderer bedrohter Arten sichern. Die Geschehnisse am Flughafen von Bangkok sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Dringlichkeit, mit der wir uns diesem Thema widmen müssen, um den illegalen Handel zu bekämpfen und die biologischen Vielfalt zu erhalten.