Es war ein ganz normaler Flug, könnte man meinen. Doch was sich an Bord eines Lufthansa-Interkontinentalfluges von Bangkok nach München abspielte, war alles andere als alltäglich. Joey Heindle, 32 Jahre alt, Sänger und ausgebildeter Rettungssanitäter, fand sich plötzlich in einer Situation wieder, die sowohl seine Professionalität als auch seinen Mut auf die Probe stellte. Dies geschah etwa drei Stunden nach dem Start, als eine etwa 40-jährige Frau mit ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden zusammenbrach.

Die Stewardessen waren bereits im Einsatz, als Heindle bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Die Frau war kreidebleich, übergab sich mehrfach und hatte einen stark abgesunkenen Blutdruck. In einem Moment, der für alle Beteiligten entscheidend war, übernahm Heindle die Erstversorgung. Er prüfte die Atmung, den Herzschlag, die Temperatur und den Puls der Patientin und schloss Schlaganfall und Lungenembolie aus. Stattdessen diagnostizierte er eine starke Unterzuckerung in Verbindung mit Dehydrierung. Ein klarer Fall für einen Rettungssanitäter, der 2021 seine Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz abgeschlossen hatte.

Erste Hilfe über den Wolken

Heindle handelte schnell und verabreichte der Frau ein Glukosegel, legte kalte Wadenwickel an und brachte sie in die stabile Seitenlage. Es dauerte knapp drei Stunden, bis der Zustand der Frau sich spürbar besserte. Dank seiner besonnenen Maßnahmen war eine Notlandung des Flugzeugs nicht erforderlich. Nach der Landung in München konnte die Patientin, die sich zwischenzeitlich stabilisiert hatte, gemeinsam mit ihrem Ehemann selbstständig das Flugzeug verlassen. Die Dankbarkeit war groß – nicht nur vonseiten der Patientin und ihres Mannes, sondern auch vom Kapitän des Flugzeugs. Heindle wurde für seinen Einsatz gefeiert, und es war klar, dass er in diesem Moment genau das Richtige getan hatte.

Medizinische Notfälle in der Luft

Solche Vorfälle sind glücklicherweise nicht die Regel, aber sie kommen vor. Medizinische Zwischenfälle an Bord von Flugzeugen sind häufiger, als man denkt. Jährlich sterben rund 2.500 Menschen während eines Fluges, meist aufgrund akuten Herz-Kreislauf-Versagens. Statistisch gesehen gibt es einen Todesfall pro Monat bei Fluggesellschaften, die 40 Millionen Fluggäste jährlich befördern. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs: Zwischenfälle ohne Todesfolge sind noch viel häufiger, mit Schätzungen von 8 bis 48 Vorfällen pro Million Passagiere.

Ein weiterer Punkt, der in diesem Kontext wichtig ist, ist der steigende Anteil älterer Passagiere. Bis 2030 wird jeder zweite Passagier 50 Jahre oder älter sein. Flugstress und die veränderten Bedingungen im Flugzeug können bestehende Erkrankungen verschlimmern. Aber nur 17% der medizinischen Notfälle werden weltweit erfasst, was die Situation noch komplizierter macht. In Deutschland haben lediglich Condor, Germanwings und Eurowings standardisierte Berichte für medizinische Notfälle.

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Die medizinische Ausstattung an Bord variiert stark zwischen den Fluggesellschaften. Alle europäischen Airlines haben Erste-Hilfe-Koffer, aber nur 82% sind mit Arztkoffern ausgestattet. Technische und medizinische Ausrüstungen übersteigen oft die gesetzlichen Mindestanforderungen. In den USA müssen Flugzeuge seit 2004 mit AEDs ausgestattet sein. Und während einige Airlines EKG-Geräte anbieten, die Daten an Bodenstationen übertragen können, haben andere nicht einmal die grundlegende Ausrüstung.

Joey Heindle hat mit seinem schnellen Handeln und seinem Wissen einen potenziell tragischen Vorfall abgewendet. Sein Werdegang ist ebenso spannend: 2012 wurde er durch die Teilnahme an „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt und gewann im Jahr darauf das Dschungelcamp in „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Auch beim „The Masked Singer Switzerland“ war er aktiv und gewann 2022 als Tukan. Doch in diesem Moment war er einfach nur ein Mensch, der helfen wollte – und das hat er eindrucksvoll getan.

Um die medizinische Versorgung an Bord zu verbessern, fordern Kritiker eine einheitliche Dokumentation aller medizinischen Zwischenfälle durch die Fluggesellschaften. Eine klare rechtliche Enthaftung für Hilfeleistende wäre ebenfalls wünschenswert. Die Standardisierung der Bordausrüstung und mehrsprachige Anleitungen könnten dazu beitragen, die Handhabung zu erleichtern und die Sicherheit für alle Passagiere zu erhöhen. Joey Heindle ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, gut vorbereitet zu sein, wenn es darauf ankommt.