In der Welt der Pflegeeinrichtungen gibt es viele Geschichten, die oft nicht gehört werden. Eine dieser Geschichten ist die von Martin Woodtli, der 2002 mit seiner an Alzheimer erkrankten Mutter von der Schweiz nach Thailand zog. Unzufrieden mit den teuren und oft als institutionell empfundenen Pflegeangeboten in seiner Heimat, beschloss er, einen anderen Weg zu gehen. Sein Vater hatte zuvor die Pflege übernommen, doch als er an Depressionen erkrankte und sich das Leben nahm, stand Martin vor einer Herausforderung, die ihn dazu brachte, die Verantwortung für seine Mutter zu übernehmen. Und diese Entscheidung führte letztlich zur Gründung des Pflegeheims Baan Kamlangchay in Chiang Mai im Jahr 2003. Hier bietet er eine familiäre Atmosphäre, die vielen Demenzpatienten zugutekommt. Die Einrichtung hat sich darauf spezialisiert, den Bewohnern eine persönlichere Betreuung zu bieten und ist damit eine kostengünstigere Alternative zu vielen westlichen Pflegeeinrichtungen. Ein Platz in Baan Kamlangchay kostet etwa 2900 Dollar pro Monat – ein Bruchteil dessen, was in der Schweiz oder den USA zu zahlen ist. Dies hat auch viele europäische Familien angezogen.

Woodtli beobachtete, wie seine Mutter in der neuen Umgebung aufblühte, und das inspirierte ihn, auch anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. Baan Kamlangchay ist in einem Wohnviertel mit acht Häusern untergebracht, in dem auch Einheimische leben. Die Bewohner können sich frei zwischen den Häusern und Gemeinschaftsbereichen bewegen, was ein Gefühl von Freiheit und Normalität vermittelt. Das Team von etwa 50 Mitarbeitern, darunter Pflegekräfte und Köche, sorgt dafür, dass die Mahlzeiten europäisch geprägt sind – ein weiterer Pluspunkt für viele der europäischen Gäste. Die Einrichtung hat kein medizinisches Personal vor Ort, sondern zieht bei Bedarf lokale Gesundheitsdienste hinzu. Eine interessante Beobachtung ist, dass die Einrichtung oft als eine Art „letzter Urlaub“ für die Bewohner betrachtet wird. Anke Blomberg, deren Mutter seit acht Jahren in Baan Kamlangchay lebt, beschreibt die persönliche Betreuung und die Atmosphäre als sehr angenehm.

Pflege unter Palmen – Eine zunehmend beliebte Wahl

Doch Martin Woodtli ist nicht der Einzige, der in Thailand Pflegeeinrichtungen für Demenzkranke betreibt. André Argast, ein 75-jähriger Schweizer, besucht dreimal pro Woche seine Frau Simone in einer anderen Demenzeinrichtung, dem „Vivocare“. Diese Einrichtung, ebenfalls in Chiang Mai, wird von Schweizer Investoren betrieben und bietet Pflege für 32 Gäste mit Demenz oder Parkinson. Die monatlichen Kosten liegen dabei zwischen 2700 und 3000 Franken. Argast wohnt in der Nachbarschaft in einem Bungalow für 700 Franken pro Monat. Das Personal im Vivocare spricht mehrere Sprachen, darunter Thai, Englisch und etwas Deutsch, was für viele der dort lebenden Gäste, die meist aus der Schweiz und Deutschland kommen, von Vorteil ist.

Ein weiteres wichtiges Detail ist, dass Paare in der Einrichtung ein Zimmer gemeinsam beziehen können, was jedoch je nach Krankheitsverlauf herausfordernd sein kann. Doris Knecht, die Leiterin des Vivocare, empfiehlt gesunden Partnern, ein Haus außerhalb zu mieten, um für sich selbst einen Schritt zu machen. In vielen Fällen sind die Angehörigen, die ihre Familienmitglieder ins Ausland zur Pflege schicken, mit Vorurteilen konfrontiert – ein Umstand, den auch Martin Woodtli bedauert. Er betont, dass solche Entscheidungen oft nicht leichtfertig getroffen werden.

Die Vorzüge der Pflege im Ausland

Die Entscheidung für Pflege im Ausland hat viele Gründe. Oft sind die Kosten im Vergleich zu Deutschland deutlich geringer, und zudem bieten Länder wie Thailand ein milderes Klima und ein größeres Angebot an Pflegeplätzen. Pflegeeinrichtungen im Ausland wie Baan Kamlangchay und Vivocare sind in der Regel wesentlich günstiger als in Deutschland, wo die durchschnittlichen Kosten für Pflegeheime bei etwa 3108 Euro pro Monat liegen. In Thailand hingegen muss man mit etwa einem Drittel der Kosten rechnen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Schweizer Krankenkassen in der Regel keine Pflegekosten im Ausland übernehmen. Angehörige, die ins Ausland ziehen, verlieren oft ihren Versicherungsschutz, was zu rechtlichen Hürden führen kann.

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Vor einem Umzug ins Ausland sollten Angehörige gründlich planen und sich über die Finanzierung und den Pflegeablauf informieren. Ein Pflegegrad sollte in Deutschland beantragt werden, bevor man ins Ausland zieht, da die Ansprüche gegenüber der deutschen Pflegeversicherung je nach Zielland und Aufenthaltsdauer variieren können. Auch Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede stellen Herausforderungen dar. Dennoch gibt es eine interessante Möglichkeit: Viele Einrichtungen bieten ein mehrmonatiges Probewohnen an, was den Entscheidungsprozess erleichtert.

Die Pflege im Ausland ist ein Thema, das viele Familien betrifft, und die Geschichten von Menschen wie Martin Woodtli und André Argast zeigen, wie wichtig es ist, Alternativen zu den oft teuren und wenig persönlichen Pflegeangeboten in Europa zu finden. Thailand hat sich als ein Ort etabliert, an dem Angehörige und Pflegebedürftige eine neue Lebensqualität entdecken können – unter Palmen und in einer familiären Atmosphäre.