In Thailand steht ein bedeutender gesellschaftlicher Wandel bevor. Bis 2024 wird das Land zu einer vollständig alternden Gesellschaft übergehen, was bedeutet, dass bis November 2025 voraussichtlich 21,7 % der Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein werden. Das bringt nicht nur einen Anstieg der älteren Bevölkerung mit sich, sondern auch einen dramatischen Anstieg des Altenlastenquotienten auf 33,93. Das hat weitreichende Folgen für die Wirtschaft, insbesondere in Bezug auf Produktion, Konsum und die Nachfrage nach Langzeitpflege. Die Anzahl der älteren Menschen, die 2024 am Langzeitpflegeprogramm (LTC) teilnehmen, wird voraussichtlich auf etwa 420.000 steigen – eine Steigerung von 360.000 im Jahr 2023.

Diese demografischen Veränderungen korrelieren mit einer zunehmenden Nachfrage nach komplexer Pflege. Gleichzeitig wandeln sich die Haushaltsstrukturen. Immer mehr ältere Menschen leben allein, was zu einer Zahl von etwa 1,8 Millionen älteren Menschen führt, die in Einpersonenhaushalten leben. In städtischen Gebieten sind die Herausforderungen in der Gemeinschaftspflege besonders ausgeprägt, da die Wohnstrukturen und das soziale Kapital im Vergleich zu ländlichen Regionen oft geringer sind. Das hat zur Folge, dass viele ältere Menschen in der Stadt wenig Unterstützung finden.

Die Herausforderungen für den Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt in Thailand ist von einer hohen informellen Beschäftigungsrate von 52,7 % geprägt, wo das durchschnittliche Monatsgehalt bei 8.513 THB liegt. Dies reicht bei weitem nicht aus, um die durchschnittlichen Haushaltsausgaben von 22.282 THB zu decken. Viele Arbeitnehmer stehen vor der schwierigen Entscheidung, ob sie für ihren Lebensunterhalt oder für die Pflege von Angehörigen sorgen sollen. Der Care Diamond, ein Rahmenwerk, beschreibt die Interaktion zwischen Staat, Markt, Familie und Zivilgesellschaft in der Pflegeversorgung. Es ist klar, dass die Regierung versucht, LTC-Dienste über das Nationale Gesundheitsbüro zu entwickeln, jedoch gibt es massive Probleme bei der Vergütung der Pflegekräfte und der Abhängigkeit von Freiwilligen.

Die Entlohnung für Pflegekräfte ist erniedrigend; sie erhalten zwischen 600 und 1.500 THB pro Fall oder 5.000 bis 6.000 THB monatlich für eine Vollzeitstelle. Das ist weit unter dem Mindestlohn, der vom Arbeitsministerium festgelegt wurde. Im aktuellen LTC-System fehlen rund 80.000 Pflegekräfte, was dazu führt, dass Gemeinschaften die Versorgungslücken durch informelle Fundraising-Aktionen zu schließen versuchen. Im privaten Sektor werden hingegen höhere Löhne von 12.000 bis 15.000 THB für qualitativ hochwertige Pflege angeboten, was allerdings nur wohlhabenderen städtischen Bevölkerungsgruppen zugutekommt.

Die Rolle der Geschlechter und die Zukunft der Pflege

Besonders auffällig ist, dass die Pflegeverantwortung oft auf den Schultern der Frauen lastet. Frauen machen 90 % der älteren Abhängigen und 73,8 % der Pflegekräfte aus. Dies spiegelt die Geschlechternormen in der Pflege wider. Viele Frauen verlassen den Arbeitsmarkt frühzeitig, um sich um Angehörige zu kümmern, was ihre langfristige wirtschaftliche Sicherheit und soziale Vorteile beeinträchtigt. Deshalb wird das Konzept einer „Care Economy“ vorgeschlagen, um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft anzugehen. Es zielt darauf ab, die Pflege als qualifizierten Beruf zu anerkennen und zu formalisieren.

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Die Zusammenarbeit des Ministeriums für Arbeit im Care Economy-Projekt soll seit 2022 die Pflegequalität und -standards verbessern. Zu den politischen Empfehlungen zählen die Entwicklung langfristiger Datensysteme, die Gewährleistung eines gerechten Zugangs zu Pflegediensten und die Schaffung rechtlicher Schutzmaßnahmen für Pflegekräfte. Ziel ist es, die Pflegeverantwortung gleichmäßiger zwischen Staat, Markt, Zivilgesellschaft und Haushalten zu verteilen, um die alternde Bevölkerung nachhaltig zu unterstützen.

Die Notwendigkeit, Pflegeökosysteme zu überdenken und zu stärken, wird auch von der WHO betont. Dr. Stefania Ilinca, Fachreferentin für Langzeitpflege bei WHO/Europa, spricht sich für Investitionen in die Langzeitpflege aus, um die negativen Vorstellungen über die Alterung der Bevölkerung zu widerlegen. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass Investitionen in qualitativ hochwertige Pflegeangebote nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch der Gesellschaft insgesamt zugutekommen.

Jonathan Cylus, Leiter des Europäischen Observatoriums für Gesundheitssysteme, hebt hervor, dass umfassende, staatlich finanzierte Langzeitpflege wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit fördern und soziale Ungleichheiten abbauen kann. Ein funktionierendes Langzeitpflegesystem hat das Potenzial, Wirtschaftswachstum zu erzeugen und die pflegebedingten Kosten für Familien zu senken. Es ist klar, dass die Zukunft der Langzeitpflege kollektives Handeln zwischen Staat, Gesundheitsanbietern, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft erfordert.

Die WHO plant zudem die Veröffentlichung eines neuen Instrumentariums zur Umgestaltung von Pflegesystemen im November 2024 – ein Schritt, der Entscheidungsträger dabei unterstützen soll, die Pflegebedürfnisse der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen zu adressieren. Die Herausforderungen sind groß, aber die Möglichkeiten, die sich bieten, sind nicht weniger bedeutend.